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„Zwei Linsen sehen mehr als eine.“

Die Hochzeitsfotografin Sophie Tiller fotografiert immer im Team. So werden einzigartige Momente des schönsten Tages aus zwei Perspektiven festgehalten. Uns hat die Fotografin aus Wien erzählt, warum sie immer eine Stunde vor Beginn der Hochzeit bereits anwesend ist und wieso sie Hochzeiten im Burgenland so mag. Außerdem hat sie uns die Trends in der Hochzeitsfotografie für 2012 verraten.

HOCHZEIT FEIERN: Frau Tiller, auf Ihren Hochzeitsfotos wirken die Brautpaare und auch deren Gäste so authentisch und natürlich. Wie schaffen Sie das?

Sophie Tiller: Zu zweit sind wir darum bemüht, dezent im Hintergrund zu agieren, zu beobachten und die vielen Momente mit unseren Kameras festzuhalten. Die besten Fotos entstehen oft wenn der Fotografierte uns gar nicht bemerkt. Bei unseren Brautpaarfotos ist uns eine entspannte Atmosphäre wichtig und wir versuchen immer den passenden Rahmen zu schaffen und gegenseitiges Vertrauen herzustellen.
Gewöhnlich treffe ich mich mit dem Brautpaar zu einem Vorgespräch oder Verlobungsshooting bei mir im Fotostudio in 1150 Wien, sodass wir uns persönlich kennenlernen. So kann ich mich auf das Brautpaar einstellen und die Wünsche und Vorstellungen am Hochzeitstag berücksichtigen.
Die beim Verlobungsshooting entstandenen Fotos eignen sich nebenbei hervorragend für individuelle Hochzeitseinladungen oder für das Gästebuch.

HOCHZEIT FEIERN: Sie sind bereits immer eine Stunde vor Beginn der Hochzeit vor Ort. Warum bereits so viel früher?

Sophie Tiller:
Uns ist es wichtig gut vorbereitet und entspannt an die Arbeit zu gehen. Zunächst einmal lassen wir die Szenerie auf uns wirken und nehmen die Atmosphäre des Ortes in uns auf. So entdecken wir unsere Lieblingsaufnahmeplätze für die Brautpaarfotos, oft entstehen da auch schon die ersten Fotos der dekorierten Kirche.

HOCHZEIT FEIERN: Eine Besonderheit ist auch, dass Sie auf Hochzeiten immer im Zweier-Team fotografieren. Wie kam es dazu?

Sophie Tiller:
Es kam gar nicht. Das war immer schon so. Unsere Aufgabe ist es, die wichtigen und meist kurzen nicht wiederholbaren Augenblicke in Fotos festzuhalten. Zwei Linsen sehen mehr als eine. Wir sind der Überzeugung, dass zwei FotografInnen vor Ort die Qualität der Hochzeitsreportage deutlich heben. So können wir auch aus mehreren Perspektiven gleichzeitig fotografieren (z. B. einer von uns vom Chor aus, während der andere beim Brautpaar bleibt) und dasselbe Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln dokumentieren. Eine Fotografin alleine kann das nie schaffen und so würde dem Brautpaar viel entgehen. Auch bei den Gratulationen und der Feier passieren viele Dinge zeitgleich, die wir so bestmöglich einfangen können.
Bei den Brautpaarfotos sehen wir es auch als großen Vorteil zu zweit zu sein. Wir haben schon erlebt, dass das Brautpaar müde von den vielen vorangegangenen Eindrücken ist. Dann unterhält sich einer von uns mit ihnen und auf so manch müdes oder hungriges Gesicht kommt wieder das Lächeln, das Braut oder Bräutigam dann auf dem Foto wieder erstrahlen lässt.

HOCHZEIT FEIERN: Einzigartige Momente wie den Einzug der Braut in die Kirche oder den Ringtausch erhält das Brautpaar dann also immer aus zwei Perspektiven auf den Hochzeitsfotos?

Sophie Tiller: Das ist nicht immer so, aber schon sehr oft der Fall und hängt sehr von den Gegebenheiten ab. Es kommt auch vor, dass plötzlich z. B. ein emsiger Videofilmer einem von uns vor die Linse springt und so den Blick verstellt. Dann sind wir besonders froh zu zweit zu sein. Dann gibt es aber auch den Moment nur aus einer Perspektive als Foto.

HOCHZEIT FEIERN: Es gibt ja die klassischen Hochzeitsfotos im Park, aber auch ausgefallene Aufnahmen, wie zum Beispiel vor einer mit Graffiti besprühten Wand. Legen Sie gemeinsam mit dem Brautpaar fest, welche Art von Hochzeitsfotos es sein soll?

Sophie Tiller:
Ja, meistens schon. Vieles können wir bei der Vorbesprechung planen. Wir besprechen die Möglichkeiten, die die Hochzeitslocation bietet und berücksichtigen die Wünsche und Vorstellungen des Hochzeitspaares. Manchmal schauen wir uns auch gemeinsam den Ort an. Es kommt aber auch häufig vor, dass sich am Hochzeitstag vor Ort neue Motive finden und daraus sehr gute Aufnahmesituationen entstehen. Idealerweise ist meine Arbeit die perfekte Synthese aus bewährten Klassikern und Neuen, das sich spontan entwickelt.

HOCHZEIT FEIERN: Sie sind Hochzeitsfotografin aus Wien. Fotografieren Sie nur Hochzeiten in Wien oder auch außerhalb?

Sophie Tiller:
Abwechslung tut gut und macht Spaß. Wir fotografieren viel in Wien und sehr gerne auch in den umliegenden Bundesländern. Gerne denke ich an die Hochzeiten im Burgenland. Dort feiert oft der ganze Ort mit, was die Hochzeit zu einem besonderen und unvergesslichen Erlebnis werden lässt. Bräuche werden gepflegt und dementsprechend bunt und abwechslungsreich sind dann auch die Fotos. Da macht fotografieren dann natürlich besondere Freude.

HOCHZEIT FEIERN: Auf was kommt es bei Hochzeitsfotos an?

Sophie Tiller: Eine Hochzeitsreportage soll den großen Tag in seiner Gesamtheit wiedergeben und für Brautpaar, Verwandte, Gäste und Freunde auch Jahre später wieder erlebbar machen. Neben den fixen Abläufen sind es oft die kleinen, persönlichen Ereignisse und Begegnungen, welche im Hintergrund passieren, die dieses Ereignis unvergesslich machen. Ein freudiges Lächeln, das Glitzern einer Freudenträne, das zarte Weiß des Brautkleides, das elegante Schwarz des Fracks, der Tautropfen vor dem Haus der Braut am Morgen des Hochzeitstages. Jene Details halten wir fest. Sie sollen auf unseren Fotos für alle, die es wollen sichtbar werden. Auf Wunsch auch in einem edel gestalteten Buch, das den besonderen Tag in ausgewählten Bildern nacherzählt.
Für die Nachbearbeitung der Fotos nehmen wir uns Zeit. Diese hat in der digitalen Fotografie einen maßgeblichen Einfluss auf die letztendlich hohe Qualität der Bilder.

HOCHZEIT FEIERN: Wir befinden uns ja gerade in der kalten Jahreszeit, in der Hochzeitsfotos oft trotz niedriger Temperaturen im Freien gemacht werden. Haben Sie da besondere Tipps, damit die Braut nicht zu viel friert?

Sophie Tiller: Thermounterwäsche, es soll da schon recht reizvolle Modelle geben 🙂 Die Fotos werden dann aber auch durchaus „bewegter“. Es lässt sich ja zum Beispiel auch ein tanzendes oder springendes Brautpaar gut fotografieren das lockert auf und macht Spaß.

HOCHZEIT FEIERN: Sind 2012 bei Hochzeitsfotos besondere Trends zu erwarten?

Sophie Tiller: Die Trends von 2011 setzen sich fort. Der Hochzeitsreportagestil, der Augenblicke einfängt ist so aktuell wie nie. 2012 liegt Romantik in der Luft. Die Liebe zum Detail wird wichtig wie z.B.: Perlen, Bänder, Kugeln und Federn finden sich in den Brautsträußen und in der Deko und damit auch in unseren Fotos. Themen und Trachtenhochzeiten sind sehr beliebt. Auch am Hochzeitsbuffet findet man statt der großen Torten viele kleine süße Köstlichkeiten, zum Beispiel Cupcakes. Die Trauung unter freiem Himmel sowie der Trend zur Natürlichkeit und nicht gestellten Posen werden immer beliebter. Neben Farbfotos erfreuen sich auch Schwarzweißbilder immer größerer Beliebtheit.

HOCHZEIT FEIERN: Vielen Dank für die Antworten!

>> Zur Website von Hochzeitsfotografin Sophie Tiller

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